Die besten Tankstellen für viel Energie

11: Die besten Tankstellen für viel Energie.

Auf den Punkt gebracht: Wie du immer wieder auftankst und genügend Energie für die Dinge hast, die dir wichtig sind. Dies ist sozusagen der dritte Teil einer Mini-Serie, in der es um deine Energie geht. In den vorigen beiden Beiträgen kannst du nachlesen, wie du deinen Energieverbrauch senkst. In diesem Artikel geht es darum, wie du deinen Tank immer wieder füllen kannst.

Von wegen Tankstelle

Ich fühle immer noch den Stress und die Unruhe.

Gestern besuchten wir nämlich eine gute Bekannte und ihren Mann. Wir wollten als Ehepaare einen Nachmittag gemeinsam verbringen.

Als wir wieder nachhause fuhren, war ich fix und fertig.

Ich spürte eine Unruhe in mir. Und fast ein schlechtes Gewissen, dass wir die kostbare Zeit dieser Bekannten vergeudet haben. Zumindest wollte mir das eine innere Stimme einreden.

Dabei hatten sie uns doch eingeladen.

Aber trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass ihr unser Besuch zu viel war.

Noch ein Besuch.
Noch mehr zu tun.
Wieder keine Zeit für sich selbst.

Immer wieder sprach sie offen oder gab zwischendurch weitere Anzeichen, dass sie einfach zu viel zu tun hat. Zu viele Gäste. Zu viele Aufgaben. Zu wenig Zeit für sich.

Und das, während ihre Gäste zu Besuch waren.

Kein schönes Gefühl.

Warum schreibe ich das hier?

Weil es mich ärgert. Und weil ich glaube, dass wir (du und ich) genauso in der Gefahr stehen. Wir haben nämlich viele Gemeinsamkeiten. Zumindest gehe ich einmal davon aus, dass auch du dich mit ihr identifizieren kannst.

Denn unsere gestresste Freundin will vor allem doch eines:

Sie möchte Menschen helfen. Einen Beitrag leisten. Nicht immer nur an sich denken, sondern etwas Gutes für andere tun. Sie ist hilfsbereit, übernimmt Verantwortung für andere Menschen, ist engagiert.

Erkennst du dich in dem letzten Satz ein bisschen wieder?

Natürlich willst du ebenfalls eine Hilfe für andere sein, nicht wahr? Du willst, dass andere Menschen von dir und deiner Geschichte profitieren. Du willst einen Beitrag leisten.

Und genau hier ist die Gefahr:

Wenn wir nicht aufpassen, dann wird dieser Wunsch zu einem Getriebensein. Ein Trieb, der uns von innen aushöhlt. Dann kann es sein, dass die Menschen nicht mehr uns brauchen sondern wir sie. Wir brauchen die Hilflosigkeit anderer, damit wir Hilfe anbieten können. Und uns stark fühlen. Dieses Gefühl der Überlegenheit ist wiederum so gut, dass wir mehr davon haben wollen. Und je mehr wir haben, desto weniger Energie besitzen wir.

Bis wir schließlich anderen Menschen zwar noch helfen, aber ihnen gleichzeitig ein schlechtes Gewissen aufdrücken, dass wir so ausgebrannt sind. Es ist ja schließlich wegen ihnen.

Das darf nicht sein.

Unsere Hilfe und unser Beitrag darf nie mit dem schlechten Gewissen der Geholfenen bezahlt werden!

 

Wie wir helfen können und trotzdem entspannt bleiben

Was ist denn jetzt die Lösung? Dass wir nur noch an uns denken und keine Hilfe mehr anbieten?

Gehen wir dazu noch einmal zur Bekannten zurück. Warum habe ich mich so über sie geärgert?

Sie hatte uns eingeladen, obwohl sie eigentlich nicht die Zeit oder die Kraft dazu hatte.

Diese Kombination hat mich geärgert.

Als Formel könnte man schreiben:

Helfen + keine Kraft und Energie dazu = Frust.

Und dieser Frust wird dann noch bewusst oder unbewusst als schlechtes Gewissen auf die anderen übertragen.

Meine Frau und ich hätten viel mehr Verständnis dafür gehabt, wenn sie uns ausgeladen hätte. Eine Erklärung am Telefon hätte gereicht. „Ich bin momentan echt kaputt und es wäre mir zu viel.“ Ja, wir haben sogar extra noch mal nachgefragt, weil wir ihren Stresslevel kennen.

Aber sie wollte es.
Und war doch genervt.

Was ist denn jetzt die Lösung? Auf jeden Fall keine einfache. Denn es spielen so viele Faktoren mit hinein.

  • Unsere Prägung, dass Ruhe und Nichtstun nur bei den faulen Nachbarn zu finden sind.
  • Innere Stimmen, die uns antreiben und nicht zulassen, dass wir auch mal Nein sagen.
  • Die Sucht helfen zu müssen und immer aktiv zu sein. Auch wenn wir das natürlich nie als Sucht beschreiben würden.
  • Das schöne Gefühl, auf der Geberseite zu stehen.
  • Die Unfähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen.
  • Oder ein ganz anderer Grund, der uns antreibt.

Ohne jetzt auf viele psychologische Faktoren einzugehen und in die Psyche einzudringen, will ich einfach mal ein paar praktische Impulse weitergeben.

 

Wenn ich ein Problem lösen will, muss ich es erst einmal erkennen.

So offensichtlich es für andere vielleicht schon ist – für uns ist das Problem oft gar nicht klar. Während wir für andere schon gestresst, gehetzt oder kraftlos wirken, meinen wir immer noch, eine weitere Aufgabe übernehmen zu können. Dieses Phänomen habe ich in meiner eigenen Geschichte schmerzhaft erlebt und sehe es seitdem immer wieder bei anderen. Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen.

Habe ich genügend Kraft und Energie für die Dinge, die ich tun will?

Wenn ich mir diese Frage wirklich ehrlich beantworte und zu dem Schluss komme: Ich habe die Kraft nicht – dann ist die Lösung oft schon spürbar nahe. Denn die logische Schlussfolgerung ist doch, dass ich
a) entweder ablehne. Mich abgrenze. Nein sage. Also den Energieverbrauch senke.
b) oder dafür sorge, diese Energie zu bekommen. Meinen Tank auflade. Die Energiezufuhr erhöhe.

Um die erste Lösung ging es in den vorigen beiden Beiträgen. Jetzt wollen wir uns ein paar Möglichkeiten anschauen, wie wir richtig auftanken.

Das Ziel dabei ist immer, dass ich für alle meine wichtigen Aufgaben und Termine die nötige Energie habe. Sodass ich jeden Besuch gelassen genießen kann. Aufgaben entspannt erledige. Und anderen durch meine Hilfe und meine innere Gelassenheit wirklich Gutes tue.

 

Steige immer erst aufs Fahrrad, bevor du losfährt

Ich muss an den Mann denken.

Gehetzt und verschwitzt rennt er die steile Straße runter und schiebt dabei sein Fahrrad neben sich her.

Als ihn jemand anspricht, ob sein Fahrrad kaputt sei, keucht er:

„Nein. Ich bin nur sehr in Eile und hab keine Zeit aufzusitzen.“

Ist das nicht verrückt? So dumm ist doch keiner, oder?

Naja, wenn wir ehrlich sind …

Diese paar Sekunden zum Aufsitzen hätte dem guten Mann viel Schweiß und Zeit erspart.

Wenn er sich nur die Zeit dazu genommen hätte.

Jemand sagte einmal:
„Entspannen sollte man immer dann, wenn man keine Zeit dazu hat.“

Es ist einfach fatal zu meinen, wir könnten uns nicht die Zeit zum Auftanken zu nehmen.

So funktioniert das Leben nicht.

Irgendwann bleibt jedes Auto stehen, wenn es nicht zur Tankstelle gesteuert wird.

Dieser Abstecher, runter von der Straße, muss einfach sein.

Und wenn wir schon beim Autofahren sind, dann können wir auch gleich noch einen weiteren Vergleich ziehen:

Getankt wird immer vorher.

Der Motor lässt nicht mit sich verhandeln. Er will erst den Sprit haben, dann wird er auch laufen. Nie umgekehrt.

Versuchen wir es andersrum, geht der Motor kaputt.

Erst muss unser Tank gefüllt sein, d a n n können wir auch gefüllt und erfüllt alle Aufgaben erledigen.

Getankt wird immer vorher.

So hast du ein gutes Tankmanagement

Neulich wurde ich auf der Autobahn nervös.

Der Tank war schon erschreckend leer und keine Tankstelle in Sicht.

Und dabei wollten wir doch rechtzeitig zum Konzert sein, in dem unsere Töchter mitspielten.

Es musste einfach bald eine Tankstelle kommen.

Aber es kam keine.

Glücklicherweise haben wir es noch bis zum Konzert geschafft und am Ziel auch noch eine Tankstelle gefunden.

Aber es war knapp.

Dieser kleine Adrenalin-Schock hat mich daran erinnert, dass wir immer damit rechnen sollten, nicht zu jeder Zeit auftanken zu können.

Manchmal gibt es einfach ausgefülltere Zeiten, in denen wir gefordert sind. Durststrecken ohne Tanke. Aufgaben, die erledigt werden müssen. Stressigere Phasen.

Damit wir auch dann noch entspannt und energiegeladen sind, brauchen wir ein gutes Tank-Management. Am besten ist, wenn wir immer genügend Reserve haben. Nie in den roten Bereich kommen.

Erinnerst du dich noch an den Referenzpunkt? In meinem Artikel über das persönliche Qualitätsmanagement ging es darum, dass wir einen Referenzpunkt brauchen. Nur dann können wir auch die Qualität bestimmen.

Mein persönlicher Referenzpunkt für den vollen Tank ist folgender:
Mein Tank ist immer dann genug gefüllt, wenn der Jahresurlaub ein Luxus ist.

Was ist Luxus? Es ist eine schöne und angenehme Sache, die wir aber nicht unbedingt brauchen. Wir sind nicht darauf angewiesen. Ein Nice-to-have. Aber es ginge auch ohne.

Wenn ich zu jederzeit so stark gefüllt bin, dass ich auf diesen Jahresurlaub verzichten könnte (zumindest, um dadurch aufzutanken), dann bin ich gut aufgestellt.

Damit das passiert, sollten wir genügend Tankstellen kennen. Oder wir können sie auch Lade-Stationen nennen. Denn sie laden unseren Energietank immer wieder auf.

Definiere deine eigenen persönlichen Lade-Stationen.

Was sind Lade-Stationen? Es sind Dinge, die dir gut tun.

Aktivitäten, die deine Last erleichtern.
Pausen, die dir neue Kräfte verleihen.
Die deine Leuchtkraft verstärken.

Solche Auflade-Stationen können wir wie die Kaffeetassen im Café in unterschiedliche Größen einteilen.

S-Stationen: Dies sind 2-30 Minuten Stationen, die du mehrmals täglich in deinen Alltag einbauen kannst. Kurze Ruhepausen, Dehnübungen, Mini-Meditationen. Kleine Pausen mit großer Wirkung. Wir müssen nicht immer den ganzen Tank füllen. Viele kleine Einzahlungen sind genauso wertvoll wie eine große. Oft sogar besser.

M-Stationen: Auch Medium-Stationen können wir in unseren normalen Alltag einbauen. Erholungspausen und Aktivitäten, die 30 Minuten oder auch mal 2-3 Stunden benötigen.

  • Ein heißes Bad mit angenehmer Musik.
  • Ein längerer Spaziergang.
  • Der Saunabesuch.
  • Das Treffen mit einer Freundin.
  • Zwei Stunden ruhiges Stöbern in der örtlichen Buchhandlung.
  • Der Skat-Abend mit Freunden.
  • Ein Hobby. Sportverein. Ehrenamt.

Wichtig ist dabei, dass es wirklich eine Tankstelle ist und kein weiteres Stresspotential. Denn auch ein Hobby und ein Sport kann uns zusätzlich unter Druck setzen.

L-Stationen: Hier geht es um Aktivitäten, die bis zu einem Tag dauern können. Eine Fahrradtour, der Segeltörn, einen ganzen Tag im Wellnessbad. Oder auch einfach nur mal den ganzen Tag auf dem Sofa liegen. Lesen, dösen und so richtig entspannen.

XL-Stationen. Die meisten Burnout-gefährdeten Menschen arbeiten auf diese XL-Stationen hin. Dies ist ein Kurzurlaub oder gar der Jahresurlaub, auf den man sich schon sechs Monate vorher sehnsüchtig freut. Und da diese Tankstelle ja „bald“ ansteht, kann vorher mit gutem Gewissen fröhlich mit vollem Gas weitergefahren werden. Meist kommt man dann jedoch so leer an, dass die im Verhältnis zum leeren Tank gesehene kurze Zeit des Auftankens nicht ausreicht.

Kennst du das auch, dass du dann im Urlaub erst mal so richtig kaputt bist und 1-2 Wochen benötigst, damit du überhaupt wieder etwas zu Kräften kommst? Meist kommt man dann zwar ein wenig entspannt zurück, aber man hat das Gefühl, es hat nicht ausgereicht. Nach einer Woche Alltag drückt sich das Gefühl auf, man wäre nie wirklich im Urlaub gewesen.

Deshalb bin ich ganz begeistert von meinem Referenzpunkt: Mein Tank ist ständig so gefüllt, dass der Jahresurlaub ein Luxus ist, den ich natürlich gerne nehme. Aber nicht unbedingt brauche, um aufzutanken.

17 praktische Tankstellen für mehr Energie

Zum Schluss will ich dir konkrete Impulse und Möglichkeiten zum regelmäßigen Auftanken mitgeben. Stationen, die du täglich, wöchentlich oder monatlich in deinen Alltag einbauen kannst. Aber vielleicht hast du ja noch ganz andere Ideen? Nimm dir deshalb am besten gleich anschließend zehn Minuten Zeit und schreibe deine eigenen persönlichen Tankstellen auf. Was tut dir wirklich gut? Worauf würdest du dich freuen, wenn du diese Tankstelle morgen in deinen Tag einplanen würdest?

Je mehr und konkretere Stationen du für dich definierst, desto höher ist auch die Chance, dass du diese Stationen anfährst.

Mein Tipp: Schreibe dir aus dieser Liste einmal 5 Favoriten raus und entscheide dich dann, mindestens EINE Übung in den nächsten 24 Stunden umzusetzen.

  1. Aufs Sofa setzen und einmal ganz bewusst ruhige Musik hören und sich auf die einzelnen Instrumente konzentrieren.
  2. Bei schönem Wetter einen Klappstuhl mitnehmen und sich an einen See oder Fluss setzen.
  3. Ein heißes Bad nehmen und die Lieblingsmusik hören.
  4. Ein Saunabesuch oder Wellnesswochenende.
  5. Einen Tag Urlaub nehmen und sich einen Tag aus dem Alltagsleben herausziehen.
  6. Telefon abstellen und mal so richtig ausschlafen.
  7. Gaanz langsam Spazieren gehen. Einen Schritt machen, stehen bleiben, den Blick aufnehmen, einen weiteren Schritt machen.
  8. Power-Nap. Für 15 Minuten kurz einschlafen, aber nicht in die Tiefschlafphase übergehen. Dies kann wie 1,5 Stunden Schlaf wirken.
  9. Für 5 Minuten ein Blatt in der Natur studieren oder eine Schnecke beobachten.
  10.  30 Minuten Entspannungsübungen.
  11. Einen halben Tag in einer Bibliothek verbringen und einfach mal schmökern.
  12. Wenn du aus dem Büro kommst, für fünf Minuten stehen bleiben und die Umgebung eingehend studieren und beobachten, bevor du dich ins Auto setzt oder weiterläufst.
  13. Eine heiße Tasse deines Lieblingsgetränks in einem ruhigen Café.
  14. Eine ausgiebige Wanderung.
  15. Mit einem guten Buch für eine Zeit in eine andere Welt abtauchen.
  16. Tief ausatmen, in den Bauch einatmen und für einige Sekunden anhalten. 10x wiederholen.
  17. Ein paar Minuten Innehalten und bewusst alle Geräusche und Eindrücke um mich herum wahrnehmen.

Es gibt natürlich unzählige weitere wertvolle Auflade-Stationen. Das Gute ist: Die meisten sind nicht nur wertvoll und lebensspendend, sondern auch kostenfrei.

Ich kann wirklich sehr empfehlen, dieses Thema immer wieder ganz oben auf deine Prioritäten-Liste zu setzen. Dieser Artikel kann ein Impuls sein. Aber es sollte natürlich weitergehen.

Erfolg haben wir nicht, wenn wir gut starten.

Erfolg haben wir, wenn wir dranbleiben.

Und immer mehr lernen, stark und entspannt zu leben.
Und wenn du intensiver dran bleiben willst, dann schau dir doch einfach mal den Kurs an, den ich entwickelt habe.

Und jetzt wünsche ich dir, dass deine innere Tanknadel immer im grünen Bereich schwingt.

Und du voller Energie weiter auf der Reise bist.

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