So wirst du eine Persönlichkeit mit Profil

07 Persönlichkeit mit Profil werden

Ich möchte gerne eine Schildkröte sein.

Nicht in jeder Hinsicht. Aber ich möchte mich so fühlen wie die Schildkröte in dieser kurzen Geschichte:

Ein Hase wollte gerne mit der Schildkröte ein Wettrennen machen. Also sagte er ihr: „Wer zu erst zuhause ist, hat gewonnen.“

Die Schildkröte ist einverstanden. Und so zählt der Hase bis drei, ruft laut LOS und rennt was das Zeug hält.

Eine Sekunde später hört er die Schildkröte rufen: „Gewonnen.“

Er dreht sich um und sieht die Schildkröte, wie sie hinter ihm her spaziert, aber sich dabei in ihren Panzer zurückgezogen hat.

Die Schildkröte hatte gewonnen, denn sie war immer und jeder Zeit zu Hause. Bei sich selbst. Unter ihrem eigenen Panzer.

In diesem Sinne will auch ich eine Schildkröte sein. Was meine ich damit?

Du und ich – wir rennen durchs Leben. Wir haben Ziele und Agendas. Wir beschäftigen uns mit Themen. Entscheiden, tun und machen. Wir sind mit Menschen zusammen, lassen uns durch Smartphone und spannende Webseiten in andere Welten mitnehmen und sind so viel beschäftigt.

Und so selten zu hause!

Wir sind ganz viel im Außen, aber so selten im Innen.

Wie jemand einmal sagte: „Wenn wir selten in uns gehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir irgendwann keinen mehr antreffen“.

Deshalb geht es in diesem Beitrag um die wichtigste Investition – nämlich dein ICH.

Dein Ich sollte ein Ort sein, an dem du dich zuhause fühlst. An dem du angekommen bist. Sicherheit empfindest. Ein Ort, an dem du gerne bist.

Ein sehr fleißiger Zimmermann entschied sich nach vielen Jahren, seinen Job aufzugeben, um etwas anderes zu tun.

Sein Arbeitgeber war bestürzt zu hören, dass er einen seiner besten Leute hergeben sollte. Er fragte ihn, ob er ihm zuliebe noch den Bau eines letzten Hauses beaufsichtigen und dabei mithelfen würde. Der Zimmermann willigte ein, aber während des Projektes merkte er, dass er gar nicht mehr so ganz bei der Sache war. Er wollte aufhören, hatte keine Lust mehr.

Und so wurde er nachlässig. Er kaufte schlechtes Material und übersah immer mehr Fehler der Arbeiter. Schließlich war das Haus fertig, allerdings in einem bemitleidenswerten Zustand. Am selben Tag noch kam der Arbeitgeber vorbei, um das Haus zu besichtigen und dem Zimmerer dann mit einem breiten Lächeln und mit den Worten den Schlüssel zu überreichen:

„Überraschung. Überraschung. Das ist mein Geschenk an dich. Dafür, dass du so viele Jahre eine gute Arbeit geleistet hast.“

Der Zimmermann war überwältigt und gleichzeitig schockiert. Was für eine Schande. Wenn er das vorher gewusst hätte, dann hätte er natürlich ganz anders gearbeitet.

Die Moral der Geschichte: Wir alle bauen, machen und tun. Oft stellen wir später erst fest, woran wir eigentlich gebaut haben, nämlich in erster Linie an unserem eigenen Lebenswerk, an unserer Persönlichkeit und unserem Charakter. An unserem Ich.

Durch alles, was du denkst, sagst, entscheidest und tust, arbeitest du bewusst oder unbewusst auch immer an deiner Persönlichkeit. Jeder Gedanke prägt deinen Charakter. Jede Entscheidung beeinflusst deine Persönlichkeit. Und mit dieser Persönlichkeit lebst in erster Linie DU.

Wenn du dich in deinem „Panzer“ wohlfühlst, dann bist du immer zuhause. Dann bist du immer gerne dort, wo du dich gerade aufhältst.

Und dann bist du auch immer mit den richtigen Leuten zusammen.

Das Wichtigste bei einer Klassenfahrt

Vor einiger Zeit fuhr unsere Tochter auf Klassenfahrt. Sie freute sich darauf. Und das war auch klar, denn sie wusste schon Wochen vorher, mit wem sie sich das Zimmer teilen wird. Das war schließlich das Wichtigste. Die ganze Reise wäre um ein Vielfaches schlechter verlaufen, wenn sie mit den falschen Leuten auf einem Zimmer sein müsste. Aber sie teilte sich die Bude mit ihren Freundinnen. Und deshalb freute sie sich darauf und genoss die Freizeit auch so sehr.

Wir alle wissen wie wichtig es ist, mit den richtigen Leuten zusammen zu sein. Ob beim Urlaub, in der Ehe oder eben am Arbeitsplatz.

Berater schreiben in ihren Büchern, dass unsere Persönlichkeit, unser Lebensstil, ja sogar unser Bankkonto in der Regel den Durchschnitt derer wiederspiegelt, mit denen wir uns am meisten abgeben.

Unsere Mitmenschen prägen uns.

Deshalb ist es enorm wichtig, mit welchen Menschen du dich abgibst und von wem du dich prägen lässt.

Du kannst mir sicher auf Anhieb drei Menschen nennen, die du auf einer Party lieber nicht sehen möchtest, oder?! Gleichzeitig kennst du aber auch Menschen, die eine Feier garantiert aufhellen und mit denen jede Begegnung ein wertvoller Moment ist. Am liebsten wären wir immer mit solchen Menschen zusammen, die uns Stärke und Gelassenheit vermitteln, die das Glück steigern und den Schmerz lindern. Wir möchten mit Menschen zusammen sein, die gut für uns sind und die unsere Lebensqualität nach oben schrauben.

Die gute Nachricht: Genau das kannst du erreichen. Denn der Mensch, mit dem du am meisten Zeit verbringst und der dich am meisten prägt, das bist du selbst. Wenn uns schon wichtig ist, mit wem wir in den Urlaub fahren, dann sollte uns doch noch wesentlich wichtiger sein, mit wem wir den Rest unseres Lebens, 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche, verbringen.

Freunde können wir verlieren.
Arbeitskollegen wechseln.
Verabschiedungen und Trennungen gehören zum Leben.
Aber von uns selbst werden wir nie getrennt.

Ich und meine Persönlichkeit –wir zwei beiden sind bis ans Lebensende aneinander gekettet – ob wir wollen oder nicht.

In die eigene Persönlichkeit zu investieren ist deshalb das klügste, beste und wichtigste, das wir je tun können. Und dabei ist folgendes zu bedenken: Wir befinden uns ständig in einem Veränderungsprozess. Du wirst entweder wachsen oder schrumpfen. Entweder stärker oder schwächer werden. Deine Persönlichkeit wird an Glanz und Charakter gewinnen oder verlieren.

Und diese Persönlichkeit hat ein entscheidendes Mitbestimmungsrecht auf die Qualität deines Lebens. Und auf die Qualität deiner Geschichte. Eine Geschichte, die dich begeistert und andere Menschen inspiriert.

Oder eine Geschichte, die verstaubt in einem Secondhandshop in der Ecke liegt. Weil sie nicht lesenswert ist.

Der Trick für eine starke Persönlichkeit

Was für ein spannendes Thema! So viel wurde schon darüber geschrieben. Und das zurecht, denn die eigene Persönlichkeit ist definitiv ein Thema, mit dem wir uns alle einmal intensiv beschäftigen sollten.

Was macht eine Persönlichkeit aus?
In welche Art von Persönlichkeit wollen wir uns entwickeln?
Habe ich überhaupt Einfluss auf meine Persönlichkeit?

Um dieses Thema etwas zu ordnen, nutze ich für mich persönlich den Trick. Die Buchstaben im TRICK stehen für fünf Faktoren, die meine eigene Persönlichkeit ausmachen. Fangen wir also an.

1. Woran wir nicht gerne erinnert werden, was aber unseren Alltag verändern würde.

Irgendwo las ich einmal von einem jüngeren Mann. Er regte sich immer auf, dass auf Hochzeiten seine alten Tanten zu ihm kamen, ihm über den Kopf streichelten und meinten: „Junge, der nächste bist du“. Das hörte erst auf, als er dasselbe mit ihnen machte. Aber nicht auf Hochzeiten.

Sondern bei Beerdigungen.

Ja, wir werden alle nicht gerne daran erinnert. Aber wann auch immer es sein wird – einmal sind auch wir dran. Wir werden alle älter und werden alle einmal sterben.

Das Beste, das wir aus dieser Tatsache machen können ist, dass wir uns auf diesen Tag vorbereiten. Und dass wir für für die letzte Phase unseres Lebens gewappnet sind.

  • Wer will ich sein, wenn ich kurz vor dem Tod stehe?
  • Zu was für einer Persönlichkeit will ich mich entwickelt haben?
  • Was soll meine Familie, mein Arbeitskollege, meine Freundin über mich sagen können?

Viele ältere Menschen wurden gefragt, was sie in ihrem Leben bereuen. Interessant ist, dass viele Menschen keine Dinge nennen, die sie getan haben, sondern die sie nicht getan haben.

  • Sie haben nicht die Initiative ergriffen.
  • Sie sind das Risiko nicht eingegangen, um etwas Neues auszuprobieren.
  • Sie haben im Leben viel geträumt, aber ihren Traum nicht gelebt.

Um es auch anders auszudrücken: Sie haben sich nicht zu der Persönlichkeit entwickelt, die sie hätten werden können. Aus Angst oder Faulheit haben sie ihre Wurzeln nicht weit genug ausgestreckt und sind somit auch nicht so hoch und stark gewachsen wie andere Bäume. Sorry, Menschen.

Das Erste, das ich für meine Persönlichkeit tun kann ist mir bewusst zu sein, dass es einmal den letzten Tag geben wird.

Die Chancen sind nicht unbegrenzt.
Die Gelegenheiten irgendwann zuende.
Das Ende früher oder später in Sicht.

Deshalb will ich jeden Tag nutzen und in meine Persönlichkeit investieren. Hinzulernen. Wachsen. Den Horizont erweitern. Und immer mehr die Persönlichkeit werden, die ich sein kann.

Denke also bewusst an das Ende und stell dir vor, du bist bis dahin zu der Persönlichkeit herangereift, die Geschichte geschrieben hat. Eine Geschichte, die andere Menschen inspiriert.

  • Was für ein Mensch bin ich gewesen?
  • Was hat mich ausgezeichnet, wofür war ich bekannt?
  • Durch welche Charaktereigenschaften habe ich Menschen positiv geprägt und bereichert?
  • Welche Spuren habe ich hinterlassen?
  • Wie haben sich Menschen in meiner Gegenwart gefühlt und warum?

Wofür steht also das T? Es steht für den Tod. Wenn ich diesen ab und zu mal bewusst vor Augen habe, bin ich fit für das Leben.

Das T kann auch für den Triumph stehen. Denn ich möchte das Leben als Triumph beenden. Mit vielen kleinen und großen Siegen auf der Reise. Bis hin zum großen Triumph.

Was ich von Moses Mendelssohn gelernt habe

Viele Menschen träumen davon, Schauspieler oder Star zu werden. Sie warten darauf, dass man ihnen eines Tages eine wichtige Rolle vergibt und sie die Gelegenheit haben, ganz groß raus zu kommen. Die Chance dabei ist natürlich sehr gering. Aber das ist auch gar nicht schlimm, denn wir alle haben bereits hervorragende Rollen erhalten, die wir nur noch gut kennen und „spielen“ brauchen.

Das Wort Person heißt im Lateinischen „persona“ und bedeutet „Maske des Schauspielers“. Die persona ist die Charakterrolle, die jemand in seiner Rolle darstellt. Nun bedeutet dies nicht, dass wir eine bestimmte Maske im negativen Sinne tragen sollten und anderen und uns selbst etwas vormachen. Persona erinnert uns lediglich daran, dass wir alle eine Rolle spielen. Und je besser wir diese kennen und spielen, desto erfolgreicher der „Film“.

Moses Mendelssohn hatte sich vor zwei Jahrhunderten als Jüdisch-Deutscher Philosoph einen Namen gemacht.

Dieser Mann war brillant, aber leider mit einem furchtbaren Makel versehen.

Er war ein kleiner, buckliger unattraktiver Mann.

Trotzdem verliebte er sich in eine schöne anmutige junge Frau. Gretchen war die Tochter eines reichen Bankiers. Einige Monate, nachdem Mendelsson Gretchen kennengelernt hatte, besuchte Mendelssohn Gretchens Vater und fragte vorsichtig, was wohl seine hübsche Tochter von dem Gedanken hielte, ihn zu heiraten. „Denn ich liebe Ihre Tochter sehr“, meinte Mendelssohn zu dem Vater und bestand darauf, dass der Vater ihm die Wahrheit über Gretchens Gefühle ihm gegenüber sagt. Der Vater zögerte und meinte langsam: „Naja, die Wahrheit ist, dass meine Tochter etwas beängstigt ist, wenn sie Sie sieht, weil….“

„… weil ich ein Buckliger bin?“, beendete Mendelssohn den Satz.

„Ja,“ sagte der Vater, „weil Sie ein Buckliger sind.“

Mendelssohn schwieg. Dann, nach ein paar Sekunden, fragte er den Vater, ob er trotzdem noch kurz die Tochter sehen könne, um sich von ihr zu verabschieden. Der Vater erlaubte es und Mendelssohn ging die Treppe hoch und fand Gretchen in ihrem Zimmer, wo sie mit Nähen beschäftig war. Sie vermied es, Mendelssohn anzuschauen, während die beiden sich über verschiedene Themen unterhielten.

Schließlich lenkte Mendelssohn die Unterhaltung zum Thema Ehe und Gretchen fragte ihn, ob er tatsächlich an den alten Spruch glaube, dass Ehen im Himmel geschlossen werden.

„Aber sicher“, antwortete Mendelssohn. „Und da wir gerade bei dem Thema sind, lassen Sie mich Ihnen erzählen, dass mir etwas Ungewöhnliches passiert ist. Wie Sie wissen, rufen die Engel immer alle zusammen, wenn ein Junge geboren wird. Sie verkünden dann laut, welches spezielle Mädchen dieser Junge zur Frau haben wird. Dieser Entschluss ist von Ewigkeit her beschieden und keiner kann die Entscheidung ändern. Nun, als ich geboren wurde, machten die Engel natürlich auch über mich diese Ansage und kündigten an, welche Frau für mich als Ehefrau bestimmt ist.

Und dann schwiegen die Engel für eine Sekunde und fügten dann hinzu, dass die Frau von Mendelssohn einen schrecklichen Buckel auf ihrem Rücken haben wird. Ich schrie laut auf, sodass der himmlische Gerichtshof und die Engel ihre Aufmerksamkeit auf mich richteten.

Ich schrie: „Oh, Herr. Nein. Nein. Ein Mädchen mit einem solch schrecklichen Buckel auf dem Rücken wird sehr schnell bitter und hart und muss furchtbare Witze und Verletzungen ertragen. Nein, Herr, ein Mädchen sollte hübsch und anmutig sein. Bitte, oh Herr, bitte lass meine Frau einen anmutigen Körper haben und gib den Buckel mir.“

Und weißt du, was passierte, Gretchen? Gott erhörte mein Gebet und ich bin so froh, dass ich der Junge mit dem Buckel bin und du das Mädchen mit dem anmutigen Körper.“

Gretchen war tief bewegt und sah Mendelssohn mit völlig neuen Augen. Einige Zeit später wurde sie seine treue und liebende Ehefrau.

Ich liebe diese Geschichte.

Sie erinnert mich daran, dass nicht die Umstände oder gar unsere angeblichen Behinderungen für unsere Lebensqualität und unsere Persönlichkeit verantwortlich sind. Die größte Behinderung befindet sich in unserem Denken, und genau hier ist auch die größte und effektivste Lösung zu finden.

Mendelssohn hatte eine starke Persönlichkeit. Er war äußerlich „behindert“, aber er hatte ein gesundes Selbstbild und spielte eine gute Rolle. Mit seiner Sichtweise nahm er den Stift selbst in die Hand und schrieb eine spannende Geschichte. Er setzte das in die Tat um, was Mark Twain einmal sagte:

„Das, was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal.“

Wofür steht also das R? Es steht für die Rolle, die wir in diesem Leben spielen. Je klarer wir diese Rolle vor unseren Augen haben und sie kennen, desto besser können wir diese auch spielen. Und je besser wir unsere Rolle spielen, desto besser der Film unseres Lebens. Ein Film, der auch noch andere bewegt.

T = Tod und triumphales Ende.
R = Rolle, die wir spielen.
I
C
K

 

Du siehst, der Trick ist noch nicht zu ende.

Aber damit soll es in der nächsten Episode weitergehen.

Bis dahin wünsche ich dir eine trickreiche Geschichte.

Und natürlich freue ich mich, wenn du einen Kommentar hinterlässt. Deine Meinung kundtust. Eine kleine Ermutigung wäre auch klasse. Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Beitrag.

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