Wie du entspannter lebst und Leuchtkraft besitzt

09: Entspannt leben. Leuchtkraft besitzen.

Ein Leben mit Leuchtkraft

Ich nehme einfach mal an,

  • du willst etwas bewegen und hast im Leben noch viel vor.
  • du willst Geschichte schreiben. Dein Leben muss es ja nicht gleich in die Geschichtsbücher schaffen. Aber du möchtest in irgendeiner Art ein Stück an der Geschichte mitschreiben, Menschen inspirieren, etwas positiv verändern.
  • das Nichtstun dagegen ist für dich harte Arbeit. Langeweile ist anstrengend und du willst am liebsten immer etwas zu tun haben.

Kannst du mindestens bei einer Behauptung deinen Kopf bejahend nicken? Dann hab ich für dich eine Geschichte:

Was du vom Leuchtturmwärter lernen kannst

Der Leuchtturmwärter war ein ganz netter Mensch.

Seine Aufgabe bestand darin, den Turm besonders bei Nacht am Leuchten zu halten, damit die Schiffe sich orientieren können und nicht gegen die Klippen auflaufen.
Jeweils am Monatsanfang wurde der Öltank des Leuchtturms aufgefüllt, um wieder genug Öl für die nächsten 30 Tage zu haben.

Nun war es so, dass der Leuchtturmwärter ein ganz netter Mensch war. Das muss einfach noch mal erwähnt werden. Und dies sprach sich natürlich im nahe gelegenen Dorf herum. Es war also gar nicht verwunderlich, dass schon nach kurzer Zeit seines Dienstantritts die erste ältere Dame vor der Tür stand, um den Leuchtturmwärter zu besuchen. „Zufällig“ hatte sie auch gleich einen kleinen Kanister dabei und bat bei der Verabschiedung, ob der Gastgeber ihr nicht den kleinen Kanister mit Öl befüllen könne.

Nun war es so, – ich glaube, ich hab’s schon erwähnt – dass der Leuchtturmwärter ein ganz netter Mensch war. Mit Freude füllte er ihr also den kleinen Kanister und verabschiedete sich winkend von ihr.

Ein paar Tage später erschien ein Familienvater von sechs Kindern, um den Mann im Leuchtturm zu besuchen. Auch er brachte einen Kanister mit, da auch ihm das Öl ausgegangen war.

Nun war es so, dass der Leuchtturmwärter …

Natürlich half er dem Familienvater und verabschiedete ihn dann mit einem fröhlichen Winken.

Einige Tage später bekam der Leuchtturmwärter wieder Besuch…

So ging es noch zwei, drei Mal in den nächsten Tagen.

Am 20. des Monats passierte es.

Der Öltank war leer.

In den darauffolgenden zehn Tagen blieb der Leuchtturm dunkel und drei Schiffe zerschellten an den Klippen. In 10 Tagen starben 160 Personen und viele Familien warteten vergeblich auf ihre Lieben.

Dies alles passierte, weil der Leuchtturmwärter ein ganz netter Mensch war.

Nun, die Geschichte vom Leuchtturmwärter möchte aufrütteln. Sie möchte schubsen, anstoßen, ermutigen und warnen.

Denn wie dieser nette Mensch sind auch du und ich verantwortlich für unseren eigenen emotionalen, seelischen und körperlichen Energietank und dafür, dass wir leuchten und strahlen. Dieses Leuchten und Strahlen dürfen wir natürlich erst einmal selbst genießen und uns daran erfreuen. Aber damit nicht genug. Wenn wir genügend Energie, Gesundheit und Leuchtkraft haben, dann profitieren auch andere davon. Unsere Mitmenschen können sich an uns orientieren. Sie können von unserem Leuchten selbst angesteckt und bereichert werden.

Zwei Dinge kann ich also lernen:

1. Wir selbst sind für unseren Energiehaushalt verantwortlich. Zu jeder Zeit steht uns genügend Energie zur Verfügung. Die Frage ist nur, ob wir sie für die richtigen Dinge einsetzen.
2. Wenn unser Tank leer ist, leiden auch andere darunter. Nicht nur wir selbst sind dann ausgebrannt, sondern andere können dadurch ebenfalls ihre Orientierung verlieren.

Also – es lohnt sich mehr als uns oft bewusst ist, dass wir unseren eigenen Tank immer so gefüllt wie möglich halten. Überlege doch nur einmal, was alles sein kann, wenn dein Tank proppevoll ist und du mit Energie und Leuchtkraft durchs Leben spazierst.

  • Du fühlst dich wohler und entspannter.
  • Du bist Herausforderungen stärker gewachsen.
  • Deine Lebensqualität steigt enorm an.
  • Du bist eine Orientierung und Inspiration für andere.
  • Deine Familie und Freunde sind sehr gerne mit dir zusammen.
  • Du hast einen positiveren Einfluss in deinem Team, an deiner Arbeitsstelle.
  • Dein Chef ist froh, dich zu haben.
  • Und so vieles mehr.

Es lohnt sich!!

Die Alternative wäre im Endstadium: Burnout.

Burnout bedeutet immer, dass der Tank irgendwie leergelaufen ist. Man ist ausgebrannt, kann nicht mehr. Hat nicht genügend Energie und Kraft, um das Leben so zu meistern, wie man es eigentlich möchte. Burnout hat mit Verlust zu tun. Die Energie ist verloren gegangen. Und damit oft auch die Motivation, die Lebensfreude, die Orientierung.

Das wollen wir aber nicht! Nicht wahr? Das wollen wir doch nicht!!

„Hey,“ denkst du jetzt, „warum kommst du so lehrerhaft rüber. Natürlich will ich das nicht. Und ich bin auch gar nicht in der Gefahr. Da ist noch eine Menge Sprit in mir. Keine Angst.“

Gut, dass du das ansprichst. Denn natürlich will ich nicht lehrerhaft rüberkommen. Entschuldige, wenn du das so empfunden hast. Aber ich weiß eben, wie schmerzhaft solch ein Burnout ist. Nie, nie, nie will ich wieder solch einen ausgelutschten Tank in mir haben. Nie.

Und noch etwas weiß ich. Nämlich, dass auch ich dachte, mir würde so etwas nicht passieren. Ich hab es auch nicht wirklich kommen sehen. Denn so ein Leerlaufen passiert nicht von heute auf morgen. Das geht schleichend. Wie die zwei Kilos, die ich im letzten Sommer zugenommen hatte. Ich bin nicht morgens aufgewacht und fühlte mich plötzlich schwerer. Nein, das ging ganz schleichend. Richtig gemein! Und irgendwann war es zu spät. Die Kilos hatten sich eingenistet. Und es brauchte viel Motivation und Energie, um sie wieder loszuwerden.

Ähnlich ist es auch mit dem inneren Tank. Nur andersrum. Er entleert sich schleichend. Unmerklich. Aber stetig.

Deshalb ist es ganz gut, zwischendurch bewusst auf die Tankanzeige zu schauen und sich zu überlegen, wo die Reise hingeht.

  • Tendiert mein Lebensstil eher dahin, dass mein Tank immer leerer wird?
  • Oder bin ich so aufgestellt, dass ich tendenziell immer einen vollen Tank habe?

Wie du dir deine Energie und Leuchtkraft erhältst.

Ganz klar, wir alle wollen brennen statt ausbrennen. Die Geschichte mitschreiben, statt aus ihr aussteigen.

Damit wir das sicherstellen, können wir prinzipiell zwei Wege gehen:
Möglichkeit 1: Wir vermeiden und senken unnötigen Energieverbrauch und sorgen dafür, dass der Tank nicht so schnell leerläuft. Anstatt 10 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen wir eben nur 5 Liter. Wir fahren sparsamer. Bildlich gesprochen, versteht sich.
Möglichkeit 2: Wir tanken viel und immer früh genug wieder auf. Statt alle 500 km fahren wir alle 250 km eine Tankstelle an.

In einem späteren Blogbeitrag wollen wir uns Zeit nehmen, um mal gründlicher über den zweiten Weg nachzudenken und zu überlegen, wie wir unseren Tank gehörig auffüllen können. Das kann nämlich die innere Freudekurve richtig weit nach oben schrauben. In diesem Blogartikel geht’s erst mal darum, wie wir den Energieverbrauch senken. Also sparsamer fahren.

Dabei müssen wir nicht einmal später ankommen. Wie Lothar Seiwert mit seinem Buchtitel deutlich behauptet: Wenn du es eilig hast, gehe langsam„.

Nun, wie können wir Energie sparen? Der nette Leuchtturmwärter gab sein Öl für Dinge her, für die es nicht gedacht war. Fazit: Er hatte einen zu hohen Energieverbrauch. Seien wir doch ehrlich: Genauso geben auch wir oft Energie her für Dinge, die es nicht wert sind. Für die uns unsere Energie nicht gegeben wurde. Leider steht uns allen aber nur ein bestimmtes Kontingent an Energie zur Verfügung. Wenn ich es für unwichtige Dinge ausgegeben habe, fehlt es mir für die wichtigen Dinge.

Jetzt sind diese „unwichtigen“ Dinge natürlich relativ. Du und ich erleben Aufgaben, Begegnungen, Events oder was auch immer ganz anders. Was für deine Geschichte eher zweitrangig ist, bedeutet für mich vielleicht eines der Höhepunkte meiner Story. Oder was für mich einen Energieverlust bedeutet, ist in deinem Fall vielleicht ein Energie-Booster. Zum Beispiel kostet es mich immer eine Menge Energie, wenn ich mit vielen Menschen zusammen bin. Ich bin gerne unter Menschen. Ich liebe es, die Geschichten von Menschen zu hören. Aber es kostet mich Energie. Ich tanke auf einer Party definitiv nicht auf. Andere dagegen sind ganz anders gestrickt. Sie empfinden eine Party als echte Tankstelle.
Du kannst also nur für dich selbst entscheiden, was für dich ein Energiefresser ist.

Und nur du kannst dafür sorgen, dass du deinen Energieverbrauch senkst.

Vier Schritte, um deinen Energieverbrauch zu senken.

Jede Geschichte hat ihre eigenen Ereignisse, Wendungen und Schritte. Ganz klar. Jede Reise besteht auch aus vielen kleinen Schritten. In diesem Sinne sind diese vier Schritte auch nur ein Teil der Reise. Aber ein wichtiger Teil. Wenn du diese Schritte noch nicht gegangen bist, dann versuche sie doch einfach mal.

Schritt 1: Schreib dir einmal auf, wofür du momentan deine Zeit, Kraft und innere Konzentration hergibst. In welche Aufgaben, Beziehungen, Verantwortungen, Termine verbrauchst du deine Energie?

Schritt 2: Notiere dir dann jeweils, ob diese „Ausgabe“ eher ein unnötiger Energieverbrauch ist oder eine wichtige Investition. Dadurch bekommst du schon mal mehr Klarheit und siehst, wo deine Energie hingeht.

Schritt 3: Mit dieser Übersicht vor Augen entscheide nun bewusst, welche (Energie-)Ausgaben du in Zukunft vermeiden willst. Gibt es vielleicht eine Beziehung, die dir nur Energie zieht und nicht lohnenswert ist, dass du weiter investierst? Oder eine Aufgabe? Ein Hobby? Oder vielleicht ist es auch einfach nur die Intensität oder Häufigkeit einer Sache, die du reduzieren willst.

Schritt 4: Von jetzt an überlege immer mal wieder bewusst, ob das was du gerade tust ein unnötiger Energieverbrauch oder eine wichtige Investition ist.

Diese vier Schritte helfen schon einmal, dass wir bewusster leben und sensibel dafür werden, wo und wie stark wir unsere Energie lassen. Im Grunde ist es wie bei den Finanzen. Da kann es am Ende des Monats schon mal zu großen Augen kommen. Wo ist nur das ganze Geld hin? Wir haben doch gar keine gewaltigen Ausgaben gehabt! Nein, keine großen Ausgaben, aber viele kleine Dinge, die man sich gegönnt hat. Oder für andere bezahlen musste.

Manchmal kopiere ich mir am Ende des Monats alle Ausgaben, die über unser Konto gelaufen sind, in eine Exceltabelle. Eine lange Liste mit ein paar größeren, aber vielen kleinen Ausgaben. Darf ich dir etwas verraten? Wenn ich mir die kleinen Beträge anschaue, dann schätze ich die Gesamtsumme immer niedriger ein, als sie letztendlich ist. Immer. Anders ausgedrückt: Ich bin immer erstaunt, zu was für einen großen Betrag sich diese kleinen Ausgaben summieren.

Die Gefahr versteckt sich in den kleinen Ausgaben. Beim Leuchtturmwärter waren es die kleinen Kanister für die lieben Nachbarn. Bei uns sind es andere viele kleine „Ausgaben“. Aber in der Summe reißen sie ein großes Loch in unseren Tank.

Lass mich diesen Beitrag mit einer Geschichte enden. Und zwar die Geschichte, die auch Lothar Seiwert in seinem Buch abdruckt.

Was wir von Till Eulenspiegel lernen können

Als Till Eulenspiegel mit seinem Bündel Habseligkeiten zu Fuß zur nächsten Stadt wanderte, überholte ihn eine recht schnell fahrende Kutsche.

Der Kutscher, der es sehr eilig zu haben schien, rief: „Wie weit ist es bis zur nächsten Stadt?“

„Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde – wenn ihr schnell fahrt, einen halben Tag, mein Herr!“, antwortete Till Eulenspiegel.

„Du Narr!“, schimpfte der Kutscher, griff zur Peitsche und trieb die Pferde noch heftiger an, und die Kutsche fuhr mit erhöhtem Tempo weiter.

Till Eulenspiegel ging seines Weges daher. Die Straße hatte viele Schlaglöcher. Eine Stunde später fand er eine Kutsche, die offenbar mit einem Schaden im Straßengraben lag. Die Vorderachse war gebrochen und der Kutscher war fluchend damit beschäftigt, diese zu reparieren.

Der Kutscher blickte Till vorwurfsvoll an, worauf dieser nur anmerkte: „Ich sagte euch doch:

Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde …“

Du und ich – wir wollen ankommen. Wir möchten sogar oft so schnell wie möglich ankommen. Und diesen Wunsch müssen wir auch gar nicht aufgeben. Im Gegenteil.

Oft kommen wir schneller an, wenn wir langsamer fahren.

Beim Kutscher waren es die Schlaglöcher, die ihn zu einer unnötig langen Pause gezwungen haben.

Bei dir und mir sind es andere Schlaglöcher. Die vielen unnötigen Energieausgaben. Störfaktoren, die uns Energie rauben und nicht weiterkommen lassen.

Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich in den letzten Jahren ein Schüler von Till Eulenspiegel geworden bin. Also, zumindest von seiner Philosophie, was die Reisegeschwindigkeit angeht.

Und weil dieses Thema so wichtig für unsere eigene Geschichte ist, will ich auch gleich noch einen weiteren Blogbeitrag dazu schreiben, um noch mehr Impulse weiterzugeben.

Für heute soll es aber genug sein.

Denn ich will dich nicht davon abhalten, es langsamer angehen zu lassen.

Und somit verabschiede ich mich für jetzt mit zwei Wünschen:

1. Dass du Energieräuber immer mehr vermeidest.
2. Dass du deine Energie immer mehr in die wirklich wichtigen Dinge des Lebens investierst.

 

PS: Und hier noch ein Link zu dem sehr lesenswerten Buch „Essentialism. The Disziplined Pursuit of Less“ von Greg McKeown.

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